(Aus-)Wege und Zusammenhänge – Vom themenspezifischen Aktivismus zum holistischen Leben

'Ich habe keine Angst vor euch!'

Aktivismus ist super. Aber es gibt ein Leben darüber hinaus, damit es sich nicht im „Demonstrationstourismus“ erschöpft.

„Non omnibus unum est quot placet.“ („Es gibt nichts, das allen gefällt.“)
(Titus Petronius Arbiter)

„Ich suche nur die guten Qualitäten in Menschen. Da ich selber nicht fehlerlos bin, suche ich nicht die Fehler bei anderen.“
(Mohandas Karamchand Gandhi)

 

Ich lerne auf meinen Aktionen erfreulicherweise laufend neue, teils sehr engagierte Individuen kennen. Weder das übrigens Jahrtausende alte Klischee der „Jugend von heute, die zu nichts mehr zu gebrauchen ist“, noch das „man kann ja eh nichts machen“ haben sich bewahrheitet. In zahlreichen Städten, die ich besuche, treffe ich liebe nette Menschen, die große Teile ihrer sog. Freizeit in den Dienst einer guten Sache stellen und mehr oder minder große Erfolge verbuchen können. Und die Geschichte kennt zahlreiche Beispiele, wo Menschen erfolgreich für eine „gute Sache“ gekämpft haben. Aber reicht das?

Es ist sehr begrüßenswert, wenn sich ein Mensch ohne (finanzielle) Hintergedanken rein aus der Überzeugung etwas „Gutes“ tun und die Welt „ein Stück besser machen“ zu wollen für etwas einsetzt. Wir leben heute allerdings in einer konjugiert-komplexen Welt, in der jede Aktion verschiedentliche Folgen hat, die idealerweise wohl dosiert aufeinander abzustimmen sind, um nicht in anderen Bereichen ungewollt mehr oder minder großen Schaden anzurichten (Dies ist ein Umstand, den übrigens die wieder erstarkenden Populisten nicht begriffen haben und leider erschreckend erfolgreich mit ihren Schwarz-Weiß-Thesen und „alternativen Fakten“[1] das politisch/gesellschaftliche Klima vergiften.) Es gibt leider Menschen, die rein fokussiert auf ihr spezielles Thema geradezu „betriebsblind“ sind und wie der sprichwörtliche Elefant durch den Porzellanladen[2] „trumpeln“ trampeln. Denn die Welt „rettet“ man nicht durch eine gezielte Maßnahme (so wertvoll sie auch sein mag), sondern durch viele Einzelschritte, die idealerweise wohldosiert und aufeinander abgestimmt sind! (also ganz unpopulistisch)
Mir geht es hier nicht darum Leute kollektiv zu diskreditieren, sondern darum Zusammenhänge aufzuzeigen und exemplarisch anzuregen darüber nachzudenken, was über den persönlichen Aktivimus hinaus geht. Zumal ich selbst noch eigene „Baustellen“ (im Hinterkopf) habe, bei denen ich auch nicht „perfekt“ („Mr. Right“) bin und es mir somit nicht zusteht Leute zu maßregeln. Mir geht es darum in einem konstruktiven Diskurs hin zu kommen zu einem holistischen[3] Leben als Aktivist, der möglichst universal[4] ein „gutes“ Leben lebt – zumal dieses Vorleben frei von Kritik und somit Übergriffen ist. Denn noch viel mehr als bestechende Argumente beeindrucken und inspirieren andere Menschen konstruktive Beispiele! Es gibt Leute, die ohne große Worte in ihrem „stillen Kämmerlein“ durch ihr individuelles Handeln „die Welt retten.“

 

Nicht nur „Kölscher Klüngel“

Ich selber halte mich aus allen Gruppierungen oder Institutionen heraus, da mir Vereinsmeierei, Gruppengeklüngel und Standesdünkel zuwider sind. Da halte ich es eher mit Reinhard Mey[5, 6] („Bevor ich mit den Wölfen heule“[7]) um mir meine Autonomie zu bewahren. Unabhängig von dieser persönlichen Präferenz kann ich es aber durchaus nachvollziehen und begrüßen, wenn Menschen sich zusammen tun um für eine Sache zu streiten, denn „gemeinsam sind wir stark.“ Dennoch stehe ich viel und gerne mit zahlreichen Institutionen, Gruppen und Individuen in Kontakt sowie vernetze auch gerne zu beiderseitigem Vorteil.
Leider stelle ich immer wieder fest, dass sich Gruppierungen aufgrund abweichender Einstellungen zu mehr oder minder relevanten Teilaspekten ihres Themas zerstreiten, was somit ihre wertvolle Arbeit behindert, gefährdet oder schlimmstenfalls zunichte macht. Zudem ist damit zu rechnen, dass geziehlt Störer in solche Gruppen eingeschleust werden, um sie zu lähmen. Speziell Menschen mit rechter Gesinnung unterwandern recht häufig unterschiedliche Gruppen, um ihren mentalen Durchfall unter's Volk zu bringen. So kommen sie z.B. recht gerne auf Tierrechtsdemonstrationen vorbei und bringen natürlich ihre Hunde mit, da sie „Tiere ja so lieben.“ Auch die Jagdszene scheint hochgradig unterwandert zu sein, interessanterweise aber auch die der Jagdkritiker! Natürlich ist im Umkehrschluß aber nicht jeder Hundebesitzer automatisch ein Nazi. Seid daher auf der Hut!

Eine weitere Strategie um Gruppen zu unterwandern ist, sie mit besonders hohen finanziellen Zuwendungen zu „beehren“ um sie in Abhängigkeiten und brenzliche Situationen zu verstricken sowie Einfluß zu gewinnen. Mir fällt da beispielsweise ein ehemaliger Softwaremonopolist ein, der sich hinter eine Stiftung stellt und mit seinem fragwürdig erworbenen Vermögen die Pharmamafia ins Boot geholt hat und weltweit als der große Held feiern lässt. Wie sehr er daran interessiert war die Welt mit seiner Software zu verbessern und wie sehr die Pharmamafia an unserem Wohl interessiert ist, ist wohl hinreichend bekannt. Ich sehe darin eher eine „unheilige Allianz“ mit handfesten monetären Interessen als nach Jahrzehnten des getätigten digitalen Kahlschlags auf einmal gereifte ethische Überzeugungen. Das wird deutlich, wenn man sich die Verbindungen dieser Stiftung genauer ansieht.

Dabei war es schon immer so, dass „Revolutionen“ und bahnbrechende Neuerungen immer von unten[8] kamen. Betrachtet daher gro├če Gruppen und Institutionen immer mit einer gesunden Skepsis! Natürlich gibt es aber auch konstruktive Formen der Einflußnahme, wie beispielsweise der „Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V.“[9, 10, 11, 12], die das System von innen heraus reformieren wollen.

Statt sich in Kleinkriegen aufzureiben solltet ihr euch trotz nervender Differenzen zusammen raufen und auf Grundforderungen einigen, damit wenigstens die Kernziele erreicht werden können.

 

Exemplarisches

So erlebe ich beispielsweise immer wieder, dass Tierrechtsaktivisten teils große Strecken mit dem Auto zu ihren (Protest-)Aktionen fahren, was zwar sehr löblich ist, dabei aber in großem Maße Sprit verbraucht und somit die Umwelt belastet – ein Umstand, der in Zeiten von „Dieselgate“[13, 14] besonders ärgerlich ist. Dies liesse sich zumindest durch Fahrgemeinschaften oder alternative Verkehrsmittel verbessern. Auch bei den Kohleprotesten treffe ich busseweise angekarte Aktivisten, was ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachte. Dabei packen sie dann ihre in Aluminiumfolie eingewickelten Butterbrote, die schlimmstenfalls mit Wurst aus Tierqualzucht belegt sind, aus und bedenken dabei nicht, dass um an das Bauxit[15, 16] der mit enormem Energieverbrauch produzierten Aluminiumfolie[17] zu kommen in Brasilien großflächig der Regenwald abgeholzt wird[18], Menschenrechte mit Füßen getreten werden und die Umwelt mit häufig tötlichen Folgen der ortsansässigen Bevölkerung verseucht wird. Dabei rauchen sie dann Zigaretten, für deren Tabakanbau neben Umweltverstörung immer noch Kinderarbeit[19, 20] und Tierversuche[21] stattfinden.
Mir selber ist es ein Anliegen, speziell die Friedensszene auf Veganismus[22] aufmerksam zu machen. Denn zu gelebtem Pazifismus gehört für mein Empfinden bereits der „Frieden mit Messer und Gabel“ – zumal es hier um weit aus mehr geht als „nur“ Tierrechte[23, 24], sondern vielmehr um Regenwaldabholzung, massiver Wasserverbrauch, gentechnisch manipuliertes Tierfutter (und dessen Transport über den Ozean mit großem Verbrauch übelstem Rohöls), Klimazerstörung, Vertreibung und Besitzenteignung sowie prekäre Arbeitsverhältnisse bis hin zum kollektiven Mord an gewerkschaftlich organisierten Angestellten und massiven gesundheitlichen Folgen mit unkalkulierbaren Kosten. All dies sind Aspekte mit hohem Konfliktpotential bis hin zu Ressourcenkriegen, welche daher die Frage nach der Legitimität einer individuellen Wahlfreiheit dieser ausbeuterischen und zerstörerischen Ernährungsweise in den Raum stellen.

Ich hoffe mit dieser Gedankensammlung anregen zu können, wie jeder Einzelne allumfassend durch sein individuelles Tun (oder Lassen) ein Stück weit „die Welt retten“ kann. Ich wünsche euch viel Erfolg (und Spaß) dabei und freue mich selbstverständlich über konstruktive Rückmeldungen.

 


 

Grüne Links sind gesichert (https). Rote Links sind ungesichert (http). Gelbe Links sind seitenintern.

  1. de.wikipedia.org/wiki/Alternative_Fakten
  2. de.wikipedia.org/wiki/Porzellan
  3. de.wikipedia.org/wiki/Holismus
  4. de.wikipedia.org/wiki/Universalismus_(Philosophie)
  5. de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Mey
  6. www.reinhard-mey.de
  7. www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/bevor-ich-mit-den-wölfen-heule
  8. de.wikipedia.org/wiki/Graswurzelbewegung
  9. de.wikipedia.org/wiki/Dachverband_der_Kritischen_Aktionärinnen_und_Aktionäre
  10. kritischeaktionaere.de
  11. www.facebook.com/pages/Dachverband-der-Kritischen-Aktionärinnen-und-Aktionäre-eV/262879467096271
  12. www.youtube.com/channel/UCEJoEgwaNIcZtbnfDkc2h3g
  13. de.wikipedia.org/wiki/Abgasskanal
  14. www.spiegel.de/thema/abgasaffaere_bei_volkswagen
  15. de.wikipedia.org/wiki/Bauxit
  16. www.chemie.de/lexikon/Bauxit.html
  17. de.wikipedia.org/wiki/Aluminiumhütte#Aluminiumherstellung
  18. www.regenwald.org/themen/aluminium
  19. www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkte/landwirtschaft/tabak
  20. www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/tag/tabak
  21. www.peta.de/tierversuche-fuer-die-tabakindustrie
  22. de.wikipedia.org/wiki/Veganismus
  23. de.wikipedia.org/wiki/Tierrechte
  24. de.wikipedia.org/wiki/Portal:Tierrechte

 

Wer auf mich verweist, den verlinke ich gerne zurück.

  1. zur Zeit keine